Der Deutsche Wein gibt sich die Ehre

02. August 2010

Etliche Weinfreaks zählen jetzt schon die Tage bis zum 5. September! 5. September?

Ja, an diesem Tag wird es eine einmalige Show um den deutschen Wein geben! Zum 100-jährigen Jubiläum des Verbandes der Prädikatsweingüter (VDP) kommen alle 195 Mitgliedswinzer nach Berlin. Selbst für professionelle Weinnasen ist so etwas einmalig, weil auch wir über zwei Jahre verteilt so ziemlich alles an Veranstaltungen von Premium-Händlern und dem VDP besuchen müssten, um annähernd so viel Qualität erlebt zu haben. Und auch der Rahmen ist sehr individuell gewählt. In Zusammenarbeit mit 70 der bekanntesten hauptstädtischen Galerien werden sich die Weingüter parallel zur zeitgenössischen Kunst zeigen. Bei einigen Weingütern ist die Verbindung zwischen Kunst und Wein aufgrund von exklusiven Künstleretiketten schon geläufig. Aber in dieser extremen Ausprägung, wo jede Galerie bis zu 3 verschiedene Winzer für 6 Stunden beherbergt, ist es schon ein Novum. Es werden Führungen mit je einer Fachkraft für Kunst und Wein angeboten, wo Ihnen während einer Galerientour die Inhalte beider Gebiete nahegebracht werden. Ab August werden die Galerien und die dort präsentierenden Winzer im Internet unter www.vdp.de veröffentlicht. Der Kartenpreis beträgt 27 € pro Person.

Blitzbesuch bei der Winzerelite – Weingut Dönnhoff und Dr. Wehrheim

27. Juli 2010

Kluth-DoennhoffEnde Juni ging es für 1 ½ Tage zu einem Blitzbesuch an die Nahe und in die Pfalz. Aus- gangspunkt für diese Tour war, dass ich zur Jahrgangs- präsentation bei Helmut Dönnhoff leider verhindert war. Und so bemühte ich mich um einen individuellen Termin. Mir wurde der letzte Freitag im Juni um 11 Uhr angeboten.

Bekanntlich ist das Weingut Hermann Dönnhoff eine Institution, die weniger Probleme mit dem Verkauf, als mit der Verteilung seiner Weine hat! Besonders in Jahren, wie 2009, wo der Ertrag das Vorjahr um 20 Prozent unterschritt, ist der Rotstift bei den nationalen und internationalen Bestell-Wünschen wohl der komplizierteste Teil seiner Arbeit. Auch wenn es in Deutschland mit Sicherheit etliche Kollegen gibt, die aus betriebswirtschaftlicher Sicht seine „Probleme“ sehr gerne eintauschen würden. Es gibt nur wenige Möglichkeiten Herrn Dönnhoff außerhalb des Weingutes einmal persönlich kennen zu lernen. Den meisten Veranstaltungen bleibt Deutschlands Nr. 1 fern, weil er ja realistisch keinen Wein mehr zu verkaufen hat. Damit die Verteilung seiner Weine auch auf andere Schultern gelegt wird, hat er Deutschland in größere Zonen eingeteilt. Diese werden von Haupthändlern versorgt, die sich einmal im Jahr zum Jahresgespräch treffen. Dort wird dann auf Grundlage der Gesamternte im Gespräch entschieden, wie viel Flaschen von welcher Sorte in dieser Region bleiben. Da jeder Händler versucht, sich einen möglichst großen Teil des Kuchens zu sichern, bleibt auf dem Weingut nur noch wenig da, was an Privatkunden verkauft werden könnte.
Nachdem ich in der Nacht vor dem Termin bis Wiesbaden gefahren bin, ging es morgens weiter Richtung Oberhausen an der Nahe. Pünktlich um 10 Minuten vor 11 fuhren wir auf den Hof vom Meisterwinzer. So ein erster Besuch bei einem so prominenten Winzer ist auch für einen gestandenen Profi aufregend. Innerhalb weniger Minuten wird sich jetzt entscheiden, wie viel Zeit der Meister erübrigen will und welche Weine während des Weingespräches verkostet werden. Nachdem ich diesen Part wohl mit positivem Ergebnis absolviert hatte, konnte ich mich darauf konzentrieren, vielleicht ein paar Details zu seinen Weinen und ein paar Statements zu bekommen. Als erstes war herauszuhören, dass er mit der teilweise wohl etwas zu dogmatisch manifestierten aktuellen Einstellung zur Reinzucht Vergärung so seine Probleme hat. Er ist der Meinung, dass der Einfluss von Reinzuchthefen sehr stark überschätzt wird. Schon der Name öffnet hier Tür und Tor für Missverständnisse und Fehlinterpretationen. Hier handelt es sich nicht etwa um ein Kunstprodukt, sondern um besonders saubere Hefestämme, die zu gewerblichen Zwecken im Labor reprodoziert wurden. Ein Vorgang der in der Natur genauso hätte stattfinden können. Ihm kommt es so vor, als sei die Fokussierung auf die Spontanvergärung eine zwanghafte Modeerscheinung, ohne die man keine Reputation am Markt genießt. Fakt ist erstmal, dass ein biodynamischer Winzer gegenüber einem Kollegen, der im Stil der 80er und 90er Jahre vinifiziert, imagemäßig einen riesengroßen Imagevorsprung hat. Da ist von Weinqualität noch gar nicht die Rede gewesen. Nach Meinung von Herrn Dönnhoff hängt die Weinqualität nicht elementar von der Hefe ab. Für schwierige Chargen würde auch er Reinzuchthefen, um jegliches Risiko bei der Gärung auszuschließen. Für Ihn sind akkurate Weinbergsarbeit mit Ertragsreduzierung wesentlich wichtigere Elemente, um einen hochkarätigen Wein herzustellen. Einen kleinen Zusatzluxus leistet man sich aber schon im Keller von Herrn Dönnhoff. Für jede Charge Wein, die den Hof erreicht, steht im Keller die die doppelte Menge an Ausbauvolumen zur Verfügung, Hier wird also aufgrund der Verfassung des Mostes entschieden, ob der Wein ganz oder teilweise im Holz oder Edelstahl ausgebaut werden soll. Als Fazit könnte man sagen, dass ein nach außen etwas unnahbar erscheinender Star-Winzer (dieses Wort mag Herr Dönnhoff überhaupt nicht) durchaus mit sehr viel Erdnähe beseelt ist. Trotz des Jet-Set-Status dieser Wein-Koryphäe erreicht ein einigermaßen qualifizierter Sommelier wie ich am Ende eines sehr sympathischen Gespräches in etwa die Augenhöhe. Und vielleicht sind für Ihn ja die schönsten Momente, wenn er ganz allein auf der Niederhäuser Hermannshöhle dem Werden seiner nächsten „Weinkinder“ zuschauen kann. Für mich waren es mit Sicherheit weinbezüglich die spannendsten 75 Minuten (25 mehr als erwartet!) der letzten Jahre. Vielen Dank Herr Dönnhoff!

wehrheim-2_785Aus Oberhausen an der Nahe ging es jetzt nach Birkweiler in der Südpfalz. Aufgrund der nicht einkalkulierten Verlängerung musste ich jetzt versuchen, der ausgerechneten Zeit vom Navi ein Schnippchen zu schlagen. Denn, wie anfangs erwähnt, ist der Zeitplan eng gestaffelt. Mit einer viertel Stunde Verspätung kam ich beim Weingut Dr. Wehrheim an, wo sich aktuell 3 Generationen mit der Produktion und dem Absatz der Weine beschäftigen. Hier ist die Situation eine ganz andere, da ich Karl-Heinz Wehrheim seit über 12 Jahren kenne. Damals habe ich die 5 Freunde in Hamburg der Gastronomie und dem Handel vorgestellt. Die Ansprache und der Umgang sind also etwas legerer. Bei der Verkostung hier hatte ich die Worte von Herrn Dönnhoff noch im Ohr, dass bei Weinen mit einem sogenannten Sponti-Ton der Winzer bei der Spontanvergärung irgendetwas falsch gemacht hat! Die Weine, die vor mir standen waren alle spontanvergoren. Aber scheinbar hat Karl-Heinz Wehrheim alles richtig gemacht! Bei allen Weinen waren nur die rebsortentypischen Aromen zu schmecken, die Weine waren alle stoffig und grundsätzlich mit sehr humanen Alkoholwerten versehen. Das hat man auch schon mal anders erlebt. Mit dem Buntstück und dem Rotstück wurden zwei kleine Terroir-Weine neu in der Kollektion präsentiert. Optimal zur Kundensensibilisierung geeignet! Besonders bei seinen S-Qualitäten wird deutlich, was für ein hochreifer Jahrgang hier im Glas steht. Denn die sicher nicht ganz geringe Säure hat es bei diesen hohen Extrakten trotzdem nicht leicht. Ich bin wirklich gespannt, wie dieses Verhältnis potentiell betrachtet eingeschätzt wird. Insgesamt ist das auf jeden Fall ein Jahrgang, der schon richtig Spaß macht. Natürlich sind auch die 2008er Großen Gewächse sehr gut trinkbar. Besonders in diesem ja eigentlich aus der trockenen Auslese entstandenen Bereich kann man sich gerne einmal trauen, bis zu 5 Jahre alte Gewächse zu kaufen. Meistens ist das ein sehr monumentales Erlebnis. Besonders zu empfehlen sind wieder mal die einfachen Qualitäten vom Spätburgunder und St. Laurent.

rebholz_769Mittlerweile war es 15:30 Uhr und der nächst Ortswechsel stand an. Diesmal ging es aber nur ein Dorf weiter. Hier ging es zum Weingut Ökonomierat Rebholz! Hier hat man sich in den letzten 10 Jahren sehr stetig aus dem deutschen Mittelfeld unter die 5 besten Weingüter Deutschlands gearbeitet. Während die Fassproben zur ProWein die erwarteten Qualitäten nur sehr vage zeigten, hatte man jetzt die fast schon zur Routine gewordene Perfektion im Glas. Das zeigte mal wieder, wie extrem hier auf Langlebigkeit vinifiziert wird. Eingeweihten Lesern wird schon aufgefallen sein, dass auch dieses Weingut zu den 5 Freunden gehört, und damit eine ruhige entspannte Atmosphäre herrschte, wo man sich nur auf die Weine konzentrieren durfte. Bei so einer Vorort Verkostung wird wieder mal deutlich, was für eine enorme Rebsorten-Bandbreite hier auf höchstem Niveau angeboten wird. Der Riesling ist mal wieder der primus inter pares. Hier setzen auch die Qualitäten die Latte sehr hoch. Ich würde sie mittlerweile etwas über den 2008er Qualitäten einstufen. Man bekommt also mindestens ¾ der Qualität der Großen Gewächse zum halben Preis. Bei den weißen Burgundersorten ist zwar der Grauburgunder nahezu durchgegoren mit maximal 1,1 g Restzucker aber natürlich auf Kosten eines sehr hohen Alkoholwertes. Für die Weißherbst-Freunde muß ich leider anmerken, dass der Preis für den Blanc de Noir um fast 40 % raufgesetzt wurde. Dafür ist der Spätburgunder in der Version Tradition Spätlese trocken bei mindestens gleicher Qualität preislich stabil geblieben. Im Durchschnitt wird sich die Bewertung der Weine nicht sonderlich von den 2008ern unterscheiden. Da ich hier jetzt als Highlights 8 bis 10 Weine nennen müßte, erspare ich mir die Auflistung. So, das war’s fast für diesen Tag. Noch schnell ein paar Flaschen Wein beim Weingut Siegrist abholen und sich dann auf den nächsten Tag vorbereiten.

Weingut-Markus-Schneider_1683Denn am nächsten Morgen steht um 10 Uhr ein Termin bei dem Weingut Markus Schneider in Ellerstadt auf dem Programm. Und auch wenn dieses in der dörflichen Gemeinde etwas futuristisch wirkende Kellereiensemble inmitten der Reben schon vielfach besprochen und abgefilmt wurde, ist es doch live noch einmal so imposant. Nachdem mich der Wahnsinns-Hype und die unterschiedlichen Aussagen zur Qualität der Weine neugierig gemacht haben, durfte ich auf der ProWein in Düsseldorf in diesem Jahr ganz frisch die komplette Kollektion probieren. Und ich war so positiv überrascht, dass ich mir für meine nächste Tour in die Anbaugebiete auf jeden Fall einen Besuch vor Ort vorgenommen habe. Und das war nun der Fall! Mein Navigationssystem wusste zwar mit der Adresse noch nicht so viel anzufangen, aber die Ausschilderung war letztlich so gut, dass ich doch noch pünktlich vorfahren konnte. Obwohl das Wohnhaus und die Kellerei zur gleichen Zeit gebaut wurden, scheinen sie doch aus sehr unterschiedlichen Sphären zu stammen. Aber vielleicht haben sich bei den privaten Räumlichkeiten auch einfach nur die Eltern durchgesetzt, mit deren Startkapital der Junior ja durchstarten durfte. Mit diesem Geld pachtete sich Markus Schneider preisgünstigere Tallagen, und baute auf dieser sehr warmen sandigen Bodenstruktur internationale Rotweinrebsorten an. Und das natürlich auch aus strategischen Gründen. Der Markt fieberte zu dem Zeitpunkt preisgünstigen deutschen Rotweinen entgegen, die eine möglichst überseemäßige Aromenstruktur aufweisen sollten. So war es von Anfang an das erklärte Ziel von Markus Schneider, Cuvées mit Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah zu einem günstigen Preis herzustellen. Ein paar sehr alte Portugieserreben gab es bei den ersten gepachteten Flächen dazu. Jetzt musste er es nur noch schaffen, Weinkritiker und Publikum gleichermaßen von seinen Weinen zu überzeugen. Mit seiner Kommunikationsfähigkeit und seinem Talent, sich mit zeitgemäßem Marketing gut auszukennen, hat er ein Expansionstempo an den Tag gelegt, welches in dieser Form bisher in der Deutschen Weinwirtschaft noch nicht vorkam. Nach 10 Jahren bearbeitet er insgesamt 50 ha Rebfelder, von dessen Ertrag er 380.000 Flaschen im Jahr abfüllt. Große Lagerräume für nichtverkaufte Weine sucht man bei Markus Schneider vergebens. Da ist er Herrn Dönnhoff doch sehr nahe, weil auch er viele seiner Weine verteilen darf, Das liegt natürlich auch daran, weil sein Weinportfolio sehr breitbandige Käuferschichten anspricht. Da gibt es Weine, die von Kritikern „höflich“ übersehen werden, aber vom trendigen Massenpublikum verehrt werden. Und es gibt Weine, bei denen die Degustatoren ungewöhnlich hohe Punktzahlen geben. Und so kommt es, dass jede Kundengruppe im Prinzip mit ihrer Weinecke bei Herrn Schneider sehr zufrieden ist. Was alle vereint, ist die Tatsache, dass die meisten Weine von Markus Schneider für so viel Intensität relativ preiswert sind. Bis jetzt das absolute Erfolgsmodell, was wir durchaus öfter in Deutschland vertragen könnten.

Zur Mittagszeit ging es dann weiter nach Bad Dürkheim. Im Stadtteil Pfeffingenwurde ich beim gleichnamigen Weingut schon vom Juniorchef Jan Eymael erwartet. Und zack war man vom Interieur wieder um 100 Jahre zurückversetzt! Auf meiner kleinen Tour wurde ich diesen Extremen öfter ausgesetzt. Obwohl ich manchmal das Gefühl habe, dass sich viele Weine mit einem offensiveren Marketing sicher noch besser vermarkten ließen. Aber in gewachsenen Strukturen ist es eben durch das erarbeitete Mitspracherecht der Senioren nicht immer so einfach, für die junge Generation etwas Neues durchzusetzen, wenn auch noch Risiko mit im Spiel ist. Trotzdem konnte sich das Weingut Pfeffingen unter der Federführung von Jan Eymael in den Pfälzer Top-Ten mit einer Tendenz nach oben etablieren. Außerdem scheinen den Weinen der Familie Eymael die Bedingungen bei den jährlich sehr groß aufgezogenen Verkostungen des Managermagazins entgegen zu kommen. Im letzten Jahr holte das Weingut in der Kategorie trockene Rieslinge mit dem Terra Rossa Riesling Spätlese trocken den 2. Platz. In der gleichen Kategorie konnte der gleiche Platz diesmal mit dem Ungsteiner Herrenberg Riesling Spätlese trocken verteidigt werden. Die meisten Kritiker scheinen bei diesem Weingut die Rotweine zu übersehen. Obwohl dies meiner Meinung nach ein großer Fehler ist. Selten bekommt man in der Pfalz Weine mit diesem Aufwand und der Qualität so preisgünstig. Sie werden überrascht sein, wie viel Spätburgunder Sie hier für Ihren Euro bekommen. Außerdem werden die Großen Gewächse vom Riesling mit so wenig Restsüße ausgebaut, dass sie schon mal als Luxus-Diabetiker-Wein durchgehen könnten. Und das war sie denn auch schon wieder, mein straff geplanter Besuchsparcours zu einigen Topwinzern von Nahe und Pfalz. Nach einem privaten Nachmittagsbesuch ging es dann auch schon wieder zurück in den Nord-Osten.

Weinkritiken von nicht freigegebenen Weinen

12. Juli 2010

WeinPlusIm Juni wurden im Forum weinplus.de einige Weinkritiken veröffentlicht, die so nicht ins Netz hätten kommen dürfen. Wenige Stunden später wurden Sie wieder gelöscht. Es handelte sich um die Kritiken von Großen Gewächsen des Jahrgangs 2009! Diese Weine dürfen laut VDP-Statuten erst ab 1. September 2010 in den Verkauf gebracht werden. Jeder Winzer im Verband hat also bis zu diesem Tag Zeit, seinem Wein die nötige Flaschen- oder Fassreife zu geben, damit er zur offiziellen Premiere am 1. September, bzw. 4. September vor Fachpublikum in Berlin das Weingut optimal repräsentiert. Fakt ist, dass diese Weine wohl qualifizierten Besuchern auf den Weingütern schon ab Juni zur Verkostung angeboten werden.

Natürlich kribbelt es da so manchem in den Foren sehr intensiv mitschreibenden Sommelier in den Fingern, seine Meinung Kund zu tun. Aber bei dne Verbreitungszahlen, die solche Meldungen im Netz haben, wäre es wahrscheinlich sinnvoll, den Winzern einen etwas engeren Handlungsrahmen mit auf den Weg zu geben. Denn spätestens in diesen Sommermonaten gehen natürlich auch die Subskriptionsangebote für die Großen (Ersten) Gewächse der mehr oder minder angesagten Weingüter an die Kunden raus. Und natürlich kann da jede positive wie negative Kritik wirtschaftliche Folgen für ein Weingut haben, weil eine ins Netz gestellte Momentaufnahme eines erst Monate später zu beziehenden Weines schon als fast gleichwertige Orientierungshilfe zu den erst ab 1. September berichtenden professionellen Kritikern gesehen werden. Natürlich wissen wir alle, dass das Geschäft mit den Großen Gewächsen durchaus zu einer lukrativen Einheit herangewachsen ist. Da aber bekanntermaßen die Entwicklungsphasen eines Weines sehr sprunghaft sein können, wäre es meiner Meinung nach sehr sinnvoll, den Winzern engere Regularien zur Verkostung von Großen Gewächsen vor der offiziellen Präsentation an die Hand geben, oder soweit vorhanden, noch einmal um die Einhaltung derselben zu bitten. Und wenn es nur der Fairheit wegen ist. Denn eine weingesetzliche Regelung, auf deren Grundlage dann eventuell Regressforderungen geltend gemacht werden können, wird es wohl in absehbarer Zeit nicht geben.

Vier Weinstars in Berlin – Vier Weinstars geben sich in Berlin die Ehre

14. Juni 2010

Mitte Mai gab es für einen ausgesuchten Kreis eine imposante Weinprobe! Die Protagonisten waren Joachim Heger vom Weingut Dr. Heger, Paul Fürst vom Weingut Rudolf Fürst und der ungekrönte Weinkönig von Deutschland Helmut Dönnhoff vom Weingut Hermann Dönnhoff. Dieses Deutsche Trio wurde unterstützt von Daniel Gantenbein, der mit seiner Frau in der Schweiz ein Weingut führt, dessen wenige Weine so rar und teuer sind, dass man fast annehmen könnte, sie seien Fiktion!

fuerst-1_782Paul Fürst gehört seit etlichen Jahren zur Gebietsspitze von Franken. Er präsentierte uns an diesem sonnigen Nachmittag ein paar Beispiele sienes Könnens von den Jahrgängen 2007 – 2009. Die beiden Weißweine aus der Serie Pur Mineral zeigten die Stärken des Jahrgangs 2009. Der Silvaner verströmte reife Frucht mit grasigen Elementen und Anklängen von Birne und Aprikose. Die mineralische Frische am Gaumen setzte einen gelungenen Kontrapunkt. Der Riesling war geprägt von reifem gelben Apfel und der namensgebenden Mineralität mit sehr viel Schmelz am Gaumen. Beide Weine bieten sehr viel Genuss fürs Geld! Der Bürgstadter Spätburgunder aus dem Jahre 2007 zeigte in der Nase eine milde Kirschfrucht mit Anklängen von Himbeeren. Rotbeerige Akzente mit mineralischer Untermalung geben insgesamt eine kernige Struktur ab. Der Frühburgunder aus dem Jahre 2008 strotzt mit den gängigen Aromen von Erdbeere und Himbeere. Am Gaumen gesellen sich noch ein paar Kirschextrakte dazu. Ein überraschenderweise schon jetzt sehr gut trinkbarer Rotwein mit Schmelz. Die Rotweincuvee Parzival aus dem Jahrgang 2007 präsentiert sich sehr zugänglich am Gaumen mit cremigen roten Früchten. Ganz anders dagegen das Große Gewächs vom Spätburgunder aus dem Centgrafenberg vom Jahrgang 2007. In Nase und Gaumen dominieren erdige rote Früchte mit einer kernigen Substanz. Der Wein ist erst ganz am Anfang seines Genußzyklus, macht aber trotzdem jetzt schon Spass. Eben eine souveräne Autorität!

dr-heger-1_1063Joachim Heger vom Weingut Dr. Heger startete mit einem Grauburgunder QbA trocken aus der Serie Vitus von seinem Zweitweingut Weinhaus Joachim Heger. Überraschenderweise fügte sich dieser Wein exzellent in die Serie ein, obwohl er ja eigentlich nicht in dieser Liga spielt. Sehr spannend waren die Fassproben vom Ihringer Winklerberg Spätlese trocken. Der 2009er Weißburgunder trumpft mit einer extrahierten blumigen Frucht auf. Lychie und Birne setzen der tollen Frische einen extravaganten Gegenpol. Der Wein hat eine Super-Länge und viel Extrakt, der 2009er Grauburgunder ist für die Rebsorte von den Aromen her fast schon zu perfekt. Birne und nussig-grasige Aromen werden am Gaumen von frischer Apfel-Birnen-Frucht abgelöst. Da versteht sich ein langer Abgang wie von selbst! Im Bereich bis 20 € ist so eine Qualität nur schwer zu schlagen. Das große Gewächs vom Grauburgunder aus dem Winklerberg tat sich, aufgrund der Jugendlichkeit, in der Nase noch etwas schwer. Am Gaumen macht sich dann aber mineralisch geprägte Birnenfrucht breit. Von der Konsistenz im Mund würde ich empfehlen, nochmal 6 Monate zu warten. Der Mimus in der Version 2007 macht schon sehr viel Spass. Wer allerdings die Aromen von frischem Holz nicht so verträgt, sollte auf ältere Jahrgänge ausweichen. Ansonsten gibt es Himbeere und Erdbeere in milder Melange aber mit kerniger Substanz am Gaumen. Der Achkarrener Schlossberg als Großes Gewächs vom Spätburgunder ist schon eine Nummer für sich. Auch hier folgt der Rat für die dem schmeckbaren Holzeinsatz nicht so freundliche gesonnenen Genießer, sich auf gereiftere Jahrgänge zu konzentrieren. Ansonsten erwartet Sie eine vanillige Himbeerfrucht in der Nase mit etwas Kirsche und einer extremen Dichte am Gaumen. Ein wirklich monumentales Erlebnis!

doennhoff-1_786Helmut Dönnhof brachte keine Faßproben von seinen wie Diamanten gesuchten Großen Gewächsen mit! Aber auch die vermeintlich kleinen Weine haben es schon faustdick hinter den nicht vorhandenen Ohren! Der 2009er Riesling QbA trocken wirkte als Benjamin in dieser Reihe schon ziemlich halbstark! Die Nase war geprägt von Aprikose, Pfirsich und Grapefruit. Die Frucht setzt sich am Gaumen in Verbindung mit einer potenten Mineralität fast schon “größenwahnsinnig” in Szene. Kaum zu glauben, dass dies der kleinste Wein von Helmut Dönnhoff ist. Beim 2009er Tonschiefer Riesling QbA trocken läßt das Mehr an Mineralität die Fruchtkomposition etwas seriöser wirken. Am Gaumen setzen sich Apfel und Grapefruit durch. Der 2009er Felsenberg Riesling QbA trocken hat eine von Birne, Aprikose und blumigen Extrakten geprägte Nase. Die Mineralität setzt am Gaumen den Aromen von Apfel und Birne den perfekten Kontrapunkt. Der 2009er Weißburgunder QbA trocken ist etwas für Puristen. Wie nicht anders zu erwarten, wuchs der Wein ganz klassisch auf kalkigem Boden. Die Nase ist aktuell noch davon geprägt. Am Gaumen verleihen sortentypische Apfeltöne dem Wein viel Seriosität. Bei der 2009er Riesling Spätlese, Niederhäuser Hermannshöhle (noch nicht gelistet, sonst 33,40 €) zeigte sich die Fähigkeit des Meisters! In der Nase geben Marakuja und Pfirsich feingliedrig und unaufdringlich mit leichter Frucht ein Stelldichein. Eine akzentuierte Säure in Verbindung mit einer solventen Mineralität sorgt für einen seriösen Auftritt. Als Finalwein wurden wir per Fassprobe von einer 2009er Riesling Auslese Goldkapsel von der Oberhäuser Brücke verwöhnt. Aus Lychie, Feige und Aprikose wurde mit viel Finesse und Mineralität ein bezahlbares edelsüßes Gesamtkunstwerk komponiert. Einfach ganz großes Kino. Die Preise für die Weine des schweizer Starwinzers Daniel Gantenbein sind mit 75 € bis 100 € außerhalb jeglicher Schnäppchenregionen angesiedelt. Selbst als Weinhändler hat man da sehr selten Gelegenheit, in dieser Preisregion etwas probieren zu dürfen. Und, ist es den Preis wert? Es kommt mal wieder darauf an. Wer häufiger die französischen Originale aus den Rebsorten Chardonnay und Pinot Noir aus dem Burgund in den höheren Qualitäten verkosten kann, wird sich mit Sicherheit freuen, die gewohnte Qualität in limitierter Auflage zum gewohnten Preis aus einer außerfranzösischen Region zu bekommen, die überwiegend nur Fachleuten bekannt ist. Sie dürfen also gerne an Puligny Montrachet und Vosne Romanee denken, wenn Sie einen solchen Tropfen im Glas haben.

Gesundheit: Alkohol schützt vor Übergewicht

15. März 2010

Eine US-amerikanischeAlkohol-Schutz-Uebergewicht Studie hat den Nachweis erbracht, dass regelmäßiger Alkoholgenuss Frauen vor Übergewicht schützt. Das Brigham and Women’s Hospital in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts hat in einer Studie die Wirkung des Alkoholgenusses bei Frauen untersucht.

Weibliche Probanden, die über 13 Jahre hinweg regelmäßig Alkohol zu sich nahmen, legten danach weniger an Gewicht zu als jene Frauen, die keinen oder nur unregelmäßig Alkohol tranken. Die Forscher zeigten sich angesichts der Ergebnisse überrascht, dass der Kaloriengehalt des Alkohols keine Auswirkungen hatte.

In der Studie wurden Daten von fast 20.000 Frauen erhoben. Jene Versuchspersonen, die täglich rund ein Glas Wein oder einen halben Liter Bier konsumierten, hatten das geringste Risiko für eine Gewichtszunahme. Bei der Art des Alkohols gab es allerdings Unterschiede: Beim Konsum von Rotwein wurde der größte Effekt erzielt. (WF/u.a. mit Informationen des Weinreporters)

Als Juror in einem Weinwettbewerb

24. Februar 2010

Da es in den letzten Monaten in mindestens einem Forum zu sehr hitzigen Diskussionen von Weinbewertungen kam, möchte ich hier als Juror einer international besetzten Weinverkostung ein paar interne Anmerkungen zum Besten geben.

Juror-WeinwettbewerbSchon die Zusammenstellung einer normalen Weinprobe beinhaltet viele Fallstricke. Das fängt mit der Gläserwahl an, geht über die Reihenfolge der zu bewertenden Weine und endet in der Zusammenset- zung der Jury. Stellen Sie sich diese Situation in Groß vor! Innerhalb von vier Tagen sollen über 3500 Weine von 130 internationalen Juroren bewertet werden. Das Ganze wird nach international gülti- gen Richtlinien durchgeführt. An 22 Tischen werden pro Tag maximal 50 Weine verkostet und bewertet. Jeder Tisch ist besetzt mit einem Schriftfüh- rer, der dem Jury-Vorsitz direkt unterstellt ist. Desweiteren sind ihm bis zu 5 weitere sehr erfahrene Weinfachleute aus unterschiedlichen Ländern zugeteilt. Die Bewertung erfolgt nach dem 100 Punkte Schema. Eine ausgeschriebene  Begründung für eine Punktzahl wird nicht verlangt. Wie in einigen Sportarten wird die beste und die schlechteste Bewertung gestrichen. Der Durchschnittswert der restlichen 4 Werte ist dann die zu veröffentlichende Punktzahl. Soweit die Spielregeln!

Bei der Verkostung, an der ich teilnehmen durfte, stellten sich für mich einige Knackpunkte raus, die begründen würden, weswegen ein und derselbe Wein von der einen Fachjury hochgelobt wird, während die andere ihn für durchschnittlich hält.

Ich war es bisher gewohnt, dass man morgens mit den trockenen Weinen anfängt und die höheren Restsüßegrade folgen lässt. Diese Systematik wurde in meinem Fall nicht eingehalten. So kam es, dass wir nach einer edelsüßen Reihe 15 trockene Weißweine bewerten sollten.

Da im Vorhinein keine Kategorien angegeben wurden, war die Bewertung des ersten Weines von einem Flight etwas zweifelhaft, da ein feinherber Wein natürlich anders schmecken darf als ein trockener.

Da jeder Wein einzeln auf einem Bewertungsbogen beurteilt wird und die Pausen zwischen den Flights sehr reglementiert sind, bleiben einem zur Beurteilung eines Weines nur wenige Minuten. Hochwertigere Weine, die sich mit Hilfe des Luftsauerstoffes entwickeln würden, sehen bei einem solchen Ablauf zwangsläufig schlechter aus. Hier wäre es natürlich fairer, wenn man einen Flight von 6 – 8 Weinen in einem Rutsch einschenken würde. und nach 20 bis 25 Minuten die Bewertungen der Juroren einsammelt.

Auch die Verkostungsfähigkeiten können bei einer solch großen Gruppe natürlich nicht homogen sein. Es kann bei der Auswahl der Juroren nur um eine Maximierung des Niveaus gehen, um Fehlbeurteilungen in einem möglichst kleinen Bereich einzugrenzen. Trotzdem lässt es sich nicht vermeiden, dass ein Wein, je nachdem von welcher Juroren-Konstellation er verkostet wird, eine Bewertungsdifferenz von bis zu
4 % haben kann.

Dieses kann im Vorfeld eigentlich nur minimiert werden, indem man für jeden Weintyp eine spezialisierte Jury hat. Das ist aber von einer gewissen Größenordnung an zu verkostenden Weinen nicht mehr so einfach realisierbar, da einem natürlich der zeitliche Faktor immer im Nacken sitzt. Schließlich gibt es für die Veröffentlichung der Verkostungsergebnisse meistens einen festen Redaktionsschluss-Temin.

Beim Thema Gläserwahl war ich vor Kurzem selbst überrascht, welche Auswirkungen da auflaufen können. In einem kleinen privaten Test habe ich einen Wein in zwei unterschiedlichen Gläsern probiert. Preislich und Qualitativ waren diese durchaus vergleichbar. Und auch die Gläserform war nahezu identisch. Trotz der Tatsache, dass ich ja wusste, dass es der gleiche Wein ist, hätte ich die beiden Proben mit einer Differenz von 2 – 3 % beurteilt. Ohne dieses Hintergrundwissen könnte die Differenz sicherlich noch höher ausfallen.

Mein Fazit lautet, dass man Einzelbewertungen nicht zu sehr in den Fokus stellen sollte. Auch wenn diese aus Marketing-Gründen sehr populär sind. Eine Durchschnittsbildung der Bewertungen von meh- reren ernst zu nehmenden Verkostungsgruppen wäre mit Sicherheit fairer. Auch die höchste Professionalität einer Verkostungsgruppe darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Weinbewertung immer auch einen gewissen subjektiven Faktor beinhaltet.

Gault Millau 2010

28. Januar 2010

Schon vor der Veröffentlichung der aktuellen Ausgabe gab es einiges an Gesprächsstoff. Der durch einige Presseberichte zum Ausstieg gedrängte Mitherausgeber Armin Diel, dessen Verdienste für den deutschen Wein hier noch einmal eindrücklich hervorgehoben werden müssen, konnte aufgrund dieser Tatsache das erste Mal bewertet werden. Als Riesling-Spezialist kam er sicher nicht ganz erwartet in einer anderen Kategorie zu Ehren.

Die besten Sekte

sekt-05Der Sekt des Jahres wird diesmal vom Schlossgut Diel von der Nahe gestellt. Caroline Diel, die Tochter des Inhabers Armin Diel, die schon seit Jahren viele Fäden in der Hand hält, konnte mit der 2004er Cuvee Mo Brut nature die diesjährige nationale Schaumweinspitze stellen. Mit gleicher Punktzahl aber ohne Prämierung landete der Sieger aus dem Vorjahr, Volker Raumland, mit seinem 2005er V. Triumvirat Cuvee Brut neben dem 2005er Pi-No Brut vom Ökonomierat Rebholz, dem Sieger 2008, auf den Plätzen. Alle drei sind Burgunder-Cuvees, die sich sehr stark am Original aus Frankreich orientieren. Verfolgt wird dieses Trio vom 2004er Chardonnay Brut Prestige wiederum von Volker Raumland. Auf dem 5. Platz folgt zur Reputations-Wiederherstellung der 2004er Dorsheimer Goldloch Riesling Brut vom Schlossgut Diel mit 90 Punkten. Die gleiche Punktzahl konnte auch Volker Raumland mit seinem 2004er Pinot Brut Prestige für sich in Anspruch nehmen.

Die besten weißen Burgunder

Burgunder-weiss-01Im Wettbewerb der besten nationalen weißen Burgunder hqt die  Pfalz mit dem diesjährigen Sieg wieder mal ihre Dominanz auf diesem Gebiet bestätigt. Von den letzten 10 Jahrgängen vergab der Gault Millau die Auszeichnung 6 Mal an die Pfalz! Ein Novum gab es in diesem Jahr: Noch nie gab es in dieser Kategorie so hohe Punktzahlen. Das Weingut Ökonomierat Rebholz bekam die Höchstnote von 94 Punkten gleich für zwei Weine. Neben dem prämierten 2008er Im Sonnenschein Weißer Burgunder Großes Gewächs wurde die barriqugeprägte 2008er Chardonnay Spätlese R mit der gleichen Punktzahl bewertet. Auf den folgenden Plätzen glänzt die Pfalz mit Weinen von Bergdolt, Dr. Wehrheim und dem nicht ganz so prominenten Weingut Faubel. Die 5 badischen Vertreter werden in dieser Liste vom Weingut Bercher angeführt. Dahinter folgen Freiherr von Gleichenstein, Martin Wassmer, Dr. Heger und einem zweiten Wein von Bercher.

Die besten trockenen Rieslinge

trockene-Rieslinge-Sieger-01Auch in der deutschen Königsdisziplin kam der Sieger aus der Pfalz! Und auch hier wurden neue Höchstwerte vergeben. Alleiniger Spitzenreiter ist das 2008er Forster Kirchenstück QbA trocken GC vom Weingut Dr. Bürklin-Wolf aus Wachenheim. 96 von 100 Punkten ist zwar neuer deutscher Rekord, aber mit 70 € auch nicht unbedingt aus der Portokasse zu begleichen. Nicht zuletzt die dreifache Präsenz des Weingutes Dr. Bürklin-Wolf unter den 10 besten trockenen Rieslingen des Jahrgangs 2008 (Forster Pechstein GC mit 95 Punkten und Deisesheimer Hohenmorgen GC mit 94 Punkten) führten folgerichtig auch zur Kollektion des Jahres. Herzlichen Glückwunsch! Das Weingut Emrich Schönleber von der Nahe bietet mit dem Halenberg Großes Gewächs für die 95 Punkte ein sehr gutes Preis-Genuß-Verhältnis an. Das Anbaugebiet Rheinhessen wird in diesem ilustren Kreis vom Weingut Klaus Keller vertreten. Für den Renomierwein G-Max gab es 94 Punkte und mit der Abtserde Großes Gewächs wurden sogar 95 Punkte erreicht. Das Rheingau wird vom Weingut Georg Breuer, das für den Rüdesheimer Berg Schloßberg 94 Punkte bekam und dem Weingut Josef Leitz, dessen Rüdesheimer Berg Rottland Alte Reben Goldkapsel mit 93 Punkten bwertet wurde. Die Pfalz wird neben Dr. Bürklin-Wolf noch von Ökonomierat Rebholz (Kastanienbusch Großes Gewächs 93 Punkte) und Siener mit einem Kastanienbusch “Schiefer” mit dem 92 Punkte erreicht wurden, vertreten. Ob in diesem Hochpreissegment alle Weine ihrem Renomee standhalten können, muß natürlich jeder für sich entscheiden. Bei so hohen Punktzahlen ist es aber allemal sehr spannend, auf die zweite Reihe bei den herausgestellten Weinen zu achten.

Die besten Rieslinge feinherb

Rieslinge-feinherb-mosel-01Diese Kategorie wird traditionell vom Anbaugebiet Mosel Saar Ruwer dominiert. Hier kommt der Siegerwein vom Weingut Van Volxem von der Saar. für den Wiltinger Gottesfuß Alte Reben gab es 93 Punkte und damit den höchsten Wert der letzten 10 Jahre. Mit der gleichen Punktzahl und vom gleichen Erzeuger steht der Kanzemer Altenberg Alte Reben ganz oben. In der zweiten Reihe findet sich ein historisches Weingut, welches sehr viele Jahre mit einer schwächelnden Qualität zu kämpfen hatte. Es scheint, dass hier der Weg der Besserung eingeschlagen wurde. Das Weingut von Schubert konnte mit dem Maximin Grünhäuser Abtsberg “Superior” 92 Punkte erreichen. Die gleiche Punktzahl erreichten auch Josef Leitz aus dem Rheingau mit dem Rüdesheimer Berg Kaisersteinfels Alte Reben und der Scharzhofberger Pergentsknopp von Van Volxem. Die zweite Hälfte dieser Charts wird mit 91 Punkten bewertet und mit zwei Weinen von Markus Molitor eröffnet. Zum einen ist es die Zeltinger Sonnenuhr Auslese** und die Bernkasteler Badstube Spätlese. Weiterhin dabei die Weigüter Peter Lauer von der Saar mit dem Ayler Kupp “Kern” und wiederum Van Volxem mit dem Wiltinger Volz. Auch das Weingut Emrich Schönleber von der Nahe bekam für seinen Monzinger Halenberg R 91 Punkte. Als 2007er Version war dieser Wein übrigens im letzten Jahr in dieser Kategorie Spitzenreiter. Somit kamen in diesem Jahr wieder 8 der besten 10 Weine aus dem Anbaugebiet Mosel Saar Ruwer. Über die letzten 10 Jahre gesehen kommen wir immer noch auf einen Moselanteil von 70 % nur bei den Spitzenreitern.

Die besten Rieslinge Kabinett restsüß

Auch diese Kategorie ist zu 80 % von der Mosel dominiert. Hier ist in diesem Jahr die Wehlener Sonnenuhr von J.J. Prüm mit 92 Punkten das Maß aller Dinge. Auf den zweiten Platz hat sich sehr selbstbewußt der Winzer des Jahres Schäfer-Fröhlich mit seinem Bockenauer Riesling Kabinett in die Mosel Phalanx eingeschlichen und bekam dafür 91 Punkte.

Die besten Rieslinge Spätlese restsüß

Riesling-Spaetlese-restsueßVon den Herkunftsgebieten ist diese Kategorie etwas ausgeglichener besetzt. Die 95 Punkte für den Siegerwein, dem Bockenauer Felseneck Goldkapsel, vom Weingut Schäfer-Fröhlich liegen dabei im Mittel der letzten Jahre. Insgesamt konnte der Winzer des Jahres 2010 Tim Fröhlich drei seiner Weine in den Top 10 platzieren: Bockenauer Felseneck mit 94 Punkten und dem Monzinger Halenberg mit 93 Punkten. Daneben wird die Nahe noch von Emrich Schönleber repräsentiert, der für sein Monzinger Frühlingsplätzchen 94 Punkte bekam. Die Mosel wird vertreten durch Weine von Fritz Haag, Schloss Lieser, Willi Schäfer und Vollenweider. Josef Leitz für das Rheingau und Klaus Keller für Rheinhessen vervollständigen den Wettbewerb.

Die besten Riesling Auslesen

Hier war nach Meinung der Degustatoren die Qualität eher im Durchschnitt der letzten Jahre. Egon Müllers Scharzhofberger Goldkapsel Fass 10 hat in den letzten 17 Jahren schon zum vierten Mal gewonnen. Der Wein bekam 97 Punkte. 2 Punkte weniger gab es für Reinhold Haart mit dem Piesporter Goldtröpfchen, für Fritz Haag mit seiner Brauneberger Juffer-Sonnenuhr Goldkapsel und für die Pündericher Marienburg Goldkapsel von Clemens Busch, der für seine Pündericher Marienburg Fahrlay 94 Punkte bekam und somit der einzige Winzer ist, der 2 Weine in der deutschen Spitze untergebracht hat. Über die Gesamtdistanz von 17 Jahren betrachtet fällt auf, dass die Sieger 10 Mal aus dem Anbaugebiet Mosel Saar Ruwer kamen und 5 Mal aus Rheinhessen.

Die besten edelsüßen Rieslinge

Emrich-SchoenleberHier konnte in diesem Jahr nicht ganz an die fabelhaften Ergebnisse angeknüpft werden. Mit 97 Punkten konnte der Monzinger Halenberg Eiswein Goldkapsel vom Weingut Emrich-Schönleber von der Nahe den Titel mit nach Hause nehmen. Die gleiche Punktzahl bekam der Bockenauer Felseneck Eiswein vom Weingut Schäfer-Fröhlich. Als bekannt hochwertiger Produzent besonders in der edelsüßen Kategorie konnte das Weingut Robert Weil aus Kiedrich im Rheingau gleich drei Prestigeweine in den Top 10 platzieren. Für die Kiedricher Gräfenberg Trockenbeerenauslese gab es 96 Punkte, für den Kiedricher Turmberg Trockenbeerenauslese gab es 95 Punkte, genauso wie für die Kiedricher Gräfenberg Beerenauslese Goldkapsel. Einen relativ preiswerten Eiswein gibt es vom Weingut Knebel mit dem Winninger Röttgen, der 94 Punkte bekam.

Insgesamt kann man aus den Weißwein-Ergebnissen des Wein Gault Millau das fazit ziehen, dass 2008 ein eher trocken dominierter Jahrgang ist und somit wesentlich alltagstauglicher auftritt. Es fällt auf, dass bei den prämierten Weingütern das Mittelfeld sehr stark besetzt ist. Hier findet man so manche Alternative zu den prestigeträchtigen Großen Gewächsen.

Die besten Spätburgunder

Spaetburgunder-Friedrich-BeckerNeben den Rekordwerten beim trockenen Riesling haben sich auch die Spätburgunder des Jahrgangs 2007 zu unbekannten Höhen aufgemacht. Wobei sich inhaltlich nicht so viel verändert hat. Mit Friedrich Becker ist der alte Meister auch der neue. Nur das er diesmal seine eigenen Vorgaben aus dem Vorjahr um 2 Punkte auf 97 Punkte für seinen Pinot Noir erhöht hat. Zum sagenhaften 7. (!!) Mal in Folge geht die Spätburgunder-Auszeichnung nach Schweigen an die Deutsch-Französische Grenze. Und da er dieses Jahr wohl besonders gut drauf war, hat er für den Sonnenberg St. Paul Großes Gewächs 95 Punkte und für die Tafelwein Reserve nochmal 94 Punkte bekommen. Einzig und allein Bernhard Huber aus Baden konnte dem Pfälzer Angriff mit seinem Wildenstein (95 Punkte) und dem Schlossberg Großes Gewächs (94 Punkte) etwas Paroli bieten. Die badischen Farben werden noch vom Weingut Bercher mit dem Feuerberg Großes Gewächs und 93 Punkten sowie dem Oberottweiler Eichberg mit 94 Punkten vom Weingut Freiherr von Gleichenstein hochgehalten. Erstaunlicherweise ist die deutsche Rotweinkammer Ahr mit nur einem wein vertreten. Das Weingut Jean Stodden bekam für sein Rosenthal Großes Gewächs 93 Punkte. Als Weißwein-Winzer von der Mosel erlaubt sich Markus Molitor regelmäßig die Skurilität, seine roten Fingerspiele in den Top 10 unterzubringen. Dieses Jahr bekam er 94 Punkte für das Graacher Himmelreich Pinot Noir***

Wein und Kultur

25. Januar 2010

blog-2010-01-25Das Deutsche Weininstitut (DWI) stellt das Thema “Wein und Kultur” in den Mittelpunkt seiner diesjährigen Kommunikationsarbeit. Den Auftakt bildet ein neuer Weinkulturkalender im Web.

Der neue Kalender – erreichbar unter www.weinkulturkalender.de – erleichtert ab sofort Weinfreunden und Touristen die Orientierung bei der Auswahl der zahlreichen wein­kulturellen Ereignisse, die alljährlich in den deutschen Weinregionen stattfinden. “Mit diesem Projekt starten wir eine Maßnahmenreihe rund um die Weinkultur, die im Laufe des Jahres noch durch weitere Aktionen ergänzt wird”, erläutert DWI-Geschäftsführerin Monika Reule.

Die neue Website www.weinkulturkalender.de stellt für jeden Monat – zunächst für das erste Halbjahr 2010 – ausgewählte weinkulturelle Top-Events aus verschiedenen Regionen vor.

Bio-Wein in der EU

18. Juli 2009

Es ist schon überraschend, dass es in der EU statt eines Gesetzes für Biowein bisher nur eins für Wein aus biologischem Anbau gibt. Hier wurde sozusagen die Hälfte der Weinbereitung  ignoriert.  Sogar bei nationalen Biowein-Gesetzgebungen müssen außer der Schweiz und Spanien alle  Mitglieder den Kopf schütteln.  Sofern sich Winzer also auf die EU-Gesetzgebung bezogen, hatten sie bei ihrem Bio-Wein in Punkto Produktionsmethode freie Hand.

Interessant wird die Geschichte natürlich bei den Stoffen, die man bei fast allen Winzern beim Ausbau verwendet.  Den größten Zündstoff bietet hier mal wieder das ungeliebte “Kind”, der Schwefel. Obwohl nach einigen umfangreichen Labortests die Lage längst nicht so dramatisch erscheint, wie uns so mancher kategorische Abstinenzler glauben machen will. Da die meisten biologischen Winzer sich aufgrund der besseren Vermarktungsmöglichkeiten eh bei privaten Organisationen zertifizieren lassen, ist es nicht verwunderlich, dass fast 90 % aller getesteten trockenen Bio-Rotweine schon heute den EU-Richtwert um 50 % unterschreiten!  Dieser in der Breite akzeptierte Wert von z.B. 80 mg/l SO2 für die trockenen Rotweine mit weniger als 5 g/l Restzucker wird wahrscheinlich in 3 Schritten zum Maximalwert erklärt werden. Eine stärkere Reduzierung dieses Wertes wurde während der Recherche zur Findung der Rechtsgrundlage von deutschen und österreichischen Winzern aufgrund von vermeintlichen Witterungsnachteilen verhindert.

Ein weiteres Feld, wo diese beiden Länder Nachbarschaftshilfe gaben, war das Thema Anreicherung mit Traubenmost oder Mostkonzentrat. Auch hier hätten Italien und Spanien gerne wesentlich kompromisslosere Grenzwerte durchgesetzt.

Alles in allem ist in den letzten drei Jahren in einer Forschungsgruppe mit dutzenden  von Mitarbeitern ein sehr genaues Abbild geschaffen worden, welche mehrheitsfähigen Verfahren und Grenzwerte zukünftig Gesetz werden könnten. Aber damit dürfen sich jetzt erstmal die verantwortlichen Resortleiter der einzelnen Mitgliedsländer beschäftigen. Eins ist auf jeden Fall sicher: ein echter Bio-Boom auf breiter Front findet nach den Recherchen außerhalb der deutschen Landesgrenzen statt. Unter diesem Eindruck sind die Bemühungen der VDP-Verantwortlichen um so höher einzuschätzen, die versuchen den Anteil der biologisch arbeitenden Mitglieder stetig zu erhöhen!

Kleiner Report zur Mainzer Weinbörse April 2009

02. Mai 2009

Ich habe in dem einen oder anderen Forum schon ein paar Kommentare zur Mainzer Weinbörse gelesen. Diese punktuellen Statements möchte ich mit meinen Eindrücken zu den von mir verkosteten Regionen etwas erweitern.

Mosel-Saar-Ruwer

Wir wissen natürlich alle, dass dieses weltweit  zu recht so hoch geschätzte Gebiet unter den Weinkonsumenten in Deutschland nicht diesen Rang einnimmt. Wahrscheinlich ist vielen diese intensive Traubenfrucht in Verbindung mit den Aromen aus den unterschiedlichen Schieferformationen zu viel Wein. Ich werde das im Juli mal in einer Blindprobe mit einer durchschnittlichen Verkostungsgruppe einmal ausprobieren. Mein Verdacht ist nämlich, dass es in der Generation zwischen 30 und 50 Jahren immer noch ein sehr antiquiertes Bild von der Mosel gibt und somit ein Imageproblem vorläge.  Der Jahrgang 2008 kommt  zur Zeit sicher nicht den Bedürfnisse der Mosel-Freaks entgegen. Ich habe schon Stimmen gehört, die der Meinung waren, dass sich die Primärfrucht gegenüber der teilweise sehr extremen Mineralik nicht durchsetzen wird und somit kein hochwertiger Jahrgang am Start wäre. Wahrscheinlich muß man bei diesem Jahrgang die Unterregionen und Winzer wesentlich differenzierter betrachten. Clemens Busch hat mir wieder sehr gut gefallen. Hier stand ja der Nachfolgejahrgang des von Robert Parker so hoch gelobten Riesling Kabinett trocken auf dem Verkostungsplan. Der Wein glänzt durch seine filigrane Leichtigkeit, die an eine Ballerina erinnert. In der Nase noch blumig-fruchtig gewinnt der Wein durch seinen für einen klassichen Kabinett trocken so eminent wichtigen knackigen Körper. Auch hinten raus wirkt dieser Riesling auf mich sehr substanziell. Es wäre ja mal interessant, die Meinung von jemandem zu hören der den 2007er und den 2008er jeweils zur gleichen zeit verkostet hat. Auch Grans Fassian, Fritz Haag und Schloss Lieser haben mir durchweg sehr gut gefallen. Beim Sankt Urbans-Hof bekam man es erstmal mit einer Spontannase zu tun. Wenn man diese im Geiste verarbeitet hatte bekam man zum Teil sehr filigrane schlanke Rieslinge auf den Gaumen, die aber einem  zeitgemäßen Geschmackstyp durchaus entsprachen. Die werden sich in den nächsten 3 – 6 Monaten noch konsolidieren. Von den hochkarätigen Proben haben mich Bockstein und Goldtröpfchen mehr begeistert als Laurentiuslay, der allerdings als 2007er zur Verkostung stand.

Mittelrhein

Und noch so eine Region, deren Image keine zusätzlichen Verkäufe zuläßt. Dieses vermeintliche Kegelclub-Ausflugsziel sollte aber eigentlich gestärkt aus dieser allgemeinen Krise rausgehen.  Es hat mich sehr gefreut, neben dem Altmeister des VDP-Mittelrhein Toni Jost auch noch Matthias Müller verkosten zu dürfen. Vor allem, weil ich vor einigen Jahren einmal vor Ort eine Probe erleben durfte. Und mir schon da nicht einleuchten wollte, wieso Weine mit einem solchen Preis-Leistungs-Verhältnis so schwer zu verkaufen sind. Auch das wir demnächst mal ein Fall für eine Blindprobe. Kurioserweise liegen die beiden Güter bei den Handelspreisen wesentlich enger zusammen, als bei den Endverbraucherpreisen. Bis auf das Große Gewächs von Toni Jost gab es bei Familie Müller zu jedem Wein ein Äquivalent. Wenn die leichten Unterschiede bei den Böden nicht wären,  könnte man sich qualitativ auch am günstigeren Preis orientieren, so ausgeglichen war dieses Spitzentreffen.

Franken

In Abwesenheit von Horst Sauer konnte ich mich diesmal etwas intensiver mit dem Castell’schen Domänenamt beschäftigen. Und war diesmal von einigen Akzenten positiv überrascht. Trotz des Silvaner-Jubiläums blieben mir hier die Rieslinge tätsachlich substanzieller in Erinnerung. Eine alles in allem sehr gelungene Kollektion, wo man als Best Buy sicherlich den 2008 Hohnart Riesling trocken und als Gesamtsieger das 2007 Große Gewächs vom Riesling ansehen.

Rheingau

Der grundsätzliche Eindruck war positiv. Wie zum Beispiel bei August Kesseler der Standardwein Riesling Kabinett trocken, gab es natürlich auch mal Ausfälle. Aber grundsätzlich war es schon ein leicht überdurchschnittlicher Jahrgang. Eine sehr ansprechende Kollektion lieferte wieder mal Peter Jakob Kühn ab. Wobei die Vielfältigkeit des Einstiegsrieslings Jokobus mit seiner vordergründigen Mineralik und den zitrisch-würzigen Kräuterakzenten schon ins Auge springt und auch das trockene Topgewächs St. Nikolaus jetzt anfängt richtig Spaß zu machen. Auch die restsüßen 2008er überzeugen neben der momentan noch hintergründigen Frucht mit einem substanziellen Mineral-Korsett. Beim Weingut Künstler haben die einfachen Qualitäten die nötige Leichtigkeit neben der Substanz. Im mittleren Bereich wirkt es momentan noch etwas langweilig. Aber die restsüßen Rieslinge aus 2008 glänzen schon jetzt mit der nötigen Power. zum Beispiel die überzeugt die Hochheimer Hölle als Auslese schon jetzt in diesem kindlichen Stadium mit einer fleural-fruchtigen Kombination mit Kräutern und Traubenfrucht. Der Spätburgunder RR aus dem Jahrgang 2006 kann sich momentan gegen die Mitbewerber nicht so richtig durchsetzen. Die in den letzten Jahren immer wieder gestiegenen Erwartungen werden mit dem aktuellen Jahrgang zwar erfüllt, aber nur vereinzelt übertroffen. Aber natürlich nach wie vor einer der solidesten Winzer im Top-Segment. Beim Schloss Johannisberg funktionieren im Jahrgang 2008 nicht alle Weine. Wenn man die Preispolitik berücksichtigt, lohnt sich der Gelblack in trocken genauso wie in halbtrocken. Die mittlerweile eingestellte trockene Spätlese kann durch das doppelt so teure Erste Gewächs eigentlich nicht ersetzt werden, aber die Bewertungen rechtfertigen vielleicht den Preis. Die edelsüßen Qualitäten erfüllen die hohen Erwartungen und sind relativ klassisch im Aufbau. Die Weine von Josef Spreitzer haben auch mit dem neuen Jahrgang wieder richtig Spaß gemacht. Wie bei vielen anderen Betrieben profitieren Sie von der enormen Mineralik, die die Feuchtigkeit in den Trauben geparkt hat. Schon der Einstiegs-QbA bemüht sich nicht besonders, seine Spätlese-Gene zu verstecken. Nichts für Filigranaromatiker aber man bekommt enorm viel Wein für’s Geld. Zum Teil werden die Weine ganz alt hergebracht spontan vergoren und im großen Holz ausgebaut. Bis zum 303 kann alles überzeugen.

Pfalz

Auch ich hatte das Gefühl,dass in der Pfalz 2008 Wohl und Wehe sehr nah beieinander liegen. Die einfachen Qualitäten neigten zum Teil dazu, etwas flach zu wirken. Im Spätlesebereich gibt es aber schon ein paar Highlights. Bei Bassermann-Jordan empfand ich Auf der Mauer durchaus wertig im Verhältnis zum herausragenden Vorgänger. Bei Bürklin-Wolf zeigte man mit dem aktuellen Gerümpel, wie ein gut gemachter mittelpreisiger Riesling sein muß. Auch die Weine von Knipser geben das zum besten, was man als Profi mittlerweile bei dieser Adresse erwartet. Und das sind schon lange nicht mehr nur barriquegeschwängerte Rotweine.

Baden

Hier präsentierte Dr.Heger seine “8-Monats-Kinder”  aus seiner September-Kollektion. Ausser einem erstaunlich zurückhaltenden Weissburgunder wurden auch hier die Erwartungen erfüllt. Bernhard Huber hat bis auf Muskateller Kabinett, Auxerrois Kabinett und dem Malterdinger Spätburgunder ein bei den Degustatoren bewährtes Programm ohne größere Überraschungen zurückgegriffen. Dafür kam Andreas Laible mit 8 neuen Weinen auf die Messe. Außer dem Chardonnay zeigten auch alle schon in diesem sehr jungen Stadium ihre hochkarätige Erziehung.

Ahr

Hier kamen bei mir Adeneuer, Deutzerhof, Meyer-Näkel und Jean Stodden. Wie nicht anders zu erwarten lagen alle vier bei den Top-Qualitäten sehr nahe beieinander. Ein überraschender Blanc de Noir und der Einstiegs-Spätburgunder ließen das Pendel schließlich zu Gunsten von Jean Stodden ausschlagen.

Württemberg

Hier hieß es für mich Aldinger gegen Schnaitmann. Das Thema Sauvignon blanc wurde, wie erwartet, von der Familie Gerhard Aldinger dominiert. Dafür zeigten die zum Teil im Barrique ausgebauten Rotweine von Rainer Schnaitmann echte Kompetenz. Die Fassproben ließen einer Abfüllung sehr positiv entgegensehen. Voe allem der 2008er Spätburgunder*** Junge Reben überzeugte mit seiner komplexen Primärfrucht von reifen Kirschen und Himbeeren. Sehr eindringlich.